Samstag, 4. Januar 2014

"Das Umland und sein Problem mit dem Airport"

"Das Umland und sein Problem mit dem Airport", so titelt der Wirtschaftsredakteur Thorsten Breitkopf im Dezember 2013 in seiner Kolumne "Made in Düsseldorf" in der  Rheinischen Post. Die in den Anliegergemeinden unisono geäußerte Kritik an den Erweiterungsplänen des Flughafens habe angesichts der Strahlkraft und der wirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens für das Umland "einen faden Beigeschmack, etwas von 'Wasch mich, aber mach mich nicht naß' ". Etwas sachlicher formuliert kann man zusammenfassen: Das Umland genießt den wirtschaftlichen Nutzen, will aber die Lasten, die vor allem im Fluglärm bestehen, nicht tragen.

Was ist an dran an dieser These? Nehmen wir ruhig einmal an, die wirtschaftlichen Vorteile des nahen Flughafens verteilten sich gleichmäßig über die ganze Region. Natürlich könnte man nun fordern, dass auch die Nachteile, Umweltbelastungen, vor allem in Form von Lärm, von allen zu tragen seien. Leider ist dem aber nicht so. Der Lärm konzentriert sich auf die Menschen im so genannten Umland, die auf festgelegten Routen mit Flughöhen von unter 1000 Metern direkt oder mit geringem seitlichen Abstand regelmäßig überflogen werden. Um im Bild von Herrn Breitkopf zu bleiben, die Menschen hier sind bereits nass bis auf die Haut, während man in Düsseldorf zusätzliche Schafe ins Trockene bringen möchte.

Während der wirtschaftliche Nutzen sich auf Düsseldorf konzentriert und in das Umland ausstrahlt, konzentriert sich der Lärm auf wenige. Und diese Wenigen sollen in der Zukunft noch höhere Lasten tragen. "Die Anzahl der Lärmbetroffenen bleibt gleich". So ist es nachzulesen in der Broschüre des Flughafens zur geplanten Kapazitätserweiterung. Der Flughafen wirbt um die Zustimmung der nicht betroffenen Mehrheit mit dem Argument, dass es nur die betrifft, die ohnehin schon in den An- und Abflugschneisen wohnen. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Flughafen rund 217.000 Flugbewegungen. Mit dem Erweiterungsantrag wird eine Genehmigung von künftig bis zu 318.000 Flugbewegungen angestrebt. In den Erweiterungsplänen und bei den Informationsveranstaltungen wurde unmißverständlich klargestellt, dass es keinerlei Ausgleichsmaßnahmen für die Betroffenen geben wird.

Die Belastung ist bereits heute unerträglich. Bis in die Nacht, mehrere hundert Mal am Tag wird im Minutentakt geflogen. In anderen Lebensbereichen sind derartige Emissionen gesetzlich nicht zulässig. Wenn unsere Gesellschaft mehrheitlich der Auffassung ist, dass wir mehr Luftverkehr brauchen, muss sie für die Verteilung und den Ausgleich der Lasten sorgen.  In Kaarst, in Meerbusch, in Ratingen und in Kettwig ist das Maß voll.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen