Dienstag, 7. Januar 2014

Lärmschutzzone für Anfänger

Die Ausdehnung und Lage der gesetzlichen Lärmschutzzonen um den Düsseldorfer Flughafen zeigt diese Abbildung. Die sogenannten Lärmschutz- und Entschädigungszonen des Flughafens sind noch etwas größer und in dieser Broschüre zu finden. Befasst man sich genauer mit den dargestellten Gebieten, so fällt natürlich auf, dass sie insgesamt recht klein sind. Rechtlich beglaubigtem Fluglärm sind danach nur wenige Menschen ausgesetzt: in Teilen von Meerbusch-Büderich, in Düsseldorf-Lohausen, in Ratingen-Tiefenbroich und in Essen-Kettwig. Erstaunlich scheint auf den ersten Blick auch, dass die Zone in nordöstlicher Richtung viel weiter reicht als nach Südwesten. Kettwig ist deutlich weiter vom Flughafen entfernt als Kaarst, das nicht mehr von einer Lärmschutzzone berührt wird. Warum ist das so?

Das Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm bestimmt, dass rund um Verkehrsflughäfen Gebiete eingegrenzt werden, in denen bestimmte Schallpegel überschritten werden. Wichtig ist, dass dabei keine tatsächlichen Lautstärken gemessen werden, sondern ein standardisiertes  Rechenverfahren zu Grunde liegt. In die Rechnung geht ein, welche Flugzeugtypen den Flughafen anfliegen, welche Routen dabei im Mittel benutzt werden und wie sich der Schall am Boden ausbreitet. Das Ergebnis wird dann wiederum für bestimmte Zeiträume gemittelt und auf so genannte Dauerschallpegel umgerechnet. Sehr laute Überflüge spielen folglich im Ergebnis kaum eine Rolle, wenn sie nicht so häufig sind. Wird z.B. ein Gebiet besonders oft in den Abendstunden überflogen, mildern ruhigere Zeiten am Nachmittag das Ergebnis der Rechnung. Jede Pause zwischen zwei Fliegern zählt. Experten versichern, dass diese, rechnerisch bestimmten Werte immer über den tatsächlichen Werten lägen. Dabei muss aber festgestellt werden, dass auch die tatsächlich gemessenen Werte mit Rechenverfahren 'homogenisiert' werden.

Doch zurück zu den  Düsseldorfer Lärmschutzzonen. In die Berechnung geht die Annahme ein, dass 80% der niedrigen Landeanflüge aus Richtung Essen erfolgen und 20% aus Richtung Mönchengladbach, folglich ist die Zone für die eine Richtung kleiner als für die andere. Ob das dann auch praktisch so gehandhabt wird, steht auf einem anderen Blatt.

Immer wieder gibt es Menschen, die sich außerhalb der so genannten Schutzzonen stark von Fluglärm beeinträchtigt fühlen und der Meinung sind, die Zonen seien zu klein. So berichtet die WAZ über eine Klage aus Essen. Doch was bedeutet es für eine Gemeinde und Ihre Bewohner, wenn sie in der Schutzzone liegen? Auf der einen Seite winken, wenn weitere Bedingungen erfüllt sind, ein paar Zuschüsse, das eigene Heim gegen Schall von außen zu schützen. Für Garten und Balkon werden in Einzelfällen auch kleine Entschädigungen gezahlt. Sicher dürfte aber sein , dass diese Beträge sehr viel niedriger sind als der Wertverlust durch die damit verbundene Kennzeichnung als Zonenimmobilie.  

Für die betroffenen Gemeinden bedeutet die Lärmschutzzone Einschränkungen bei der Errichtung von Neubauten, so z. B. Bauverbote für Krankenhäuser, Schulen oder Wohnungen und besondere Anforderungen an den Schallschutz. Schmerzhaft musste das die Stadt Meerbusch erfahren, als die Errichtung eines Altenheims durch den Flughafen verhindert wurde.

Ob eine Ausdehnung der Lärmschutzzonen den Betroffenen helfen würde, darf also bezweifelt werden. Man sollte im übrigen getrost davon ausgehen, dass die Zonen in Düsseldorf nach dem Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm korrekt* berechnet sind. Das Problem ist das Gesetz selbst, das den Fluglärm privilegiert und Bürger und Gemeinden ohne angemessenen Ausgleich zur Duldung zwingt. Es ist ein Gesetz, das den Fluglärm schützt.

Außerhalb der Rechenmodelle gibt es kein Durchschnittsgeräusch und keinen Dauerschallpegel. In der Wirklichkeit macht es einen großen Unterschied, ob Geräusche vom Boden oder vom Himmel ausgehen. Ebenso ist wichtig, aus welchen Frequenzen Geräusche zusammengesetzt sind. Ob Fingernägel über eine Tafel kratzen oder eine Katze schnurrt, ob ein Kammerkonzert gegeben wird oder eine Kreissäge arbeitet - im Empfinden ist das ein großer Unterschied, für den äquivalenten Dauerschallpegel nicht.

Vergessen wir diese Überlegungen einen Augenblick und lassen wir uns auf die Argumentation der Fachleute ein. Der Flughafen versucht auf seiner Homepage zu verdeutlichen, wie 60dB, der Grenzwert des Tagschutzgebietes, sich anfühlen:  "Ein normales Gespräch erzeugt im Abstand von einem Meter einen Schalldruckpegel von ca. 60dB(A) (Dezibel)" Der Leser möge sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn morgens, punkt sechs Uhr genau einen Meter über seinem Kopf ein unerwünschtes Gespräch in normaler Lautstärke beginnt und ihn über den ganzen Tag bis 23.00 Uhr ununterbrochen begleitet.

*Der Begriff 'korrekt' ist nicht gleichzusetzen mit fair. Der Flughafen ist Partei und versucht wie jede Partei, geltendes Recht ausschließlich zum eigenen Vorteil auszulegen. Wenn es darum geht, die Zonen klein zu rechnen, werden natürlich alle Möglichkeiten ausgenutzt. Der Partei der Lärmbetroffenen bleibt am Ende nur der langwierige Klageweg.  Auch dabei herrscht keine Waffengleichheit: Finanzielle Mittel und Expertise sind einseitig auf der Seite der Flughafenbetreiber. 

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