Freitag, 10. Januar 2014

Verkehrsminister sorgt für dreizehn Stunden Nachtruhe

Wenn Bundespolitiker zu Hause  mit Ihren Wählern sprechen, haben Sie oft die besten Ideen. Auf dem Weg in den Bundestag oder fern der Heimat, im Gespräch mit Leuten aus der Wirtschaft, kommen diese Ideen bisweilen abhanden. Ein gutes Beispiel dafür liefert Ex-Verkehrsminister Ramsauer, der in südlichen Gefilden Konzepte entwickelt, gegen die er von Berlin aus mit bayerischer Entschlossenheit kämpft.

Seit langen gibt es auf deutscher Seite Ärger über den Flughafen Salzburg, der nach deutscher Darstellung 90% der Landeanflüge über deutsches Gebiet durchführt. Im vergangenen Mai versicherte der damalige Verkehrsminister der aufgebrachten Bevölkerung in Freilassing, er sei "zu allem entschlossen" und kündigte für den Fall weiter ergebnisloser Verhandlungen mit Österreich den Erlass einer Durchführungsverordnung an, nach der die An- und Abflüge über deutsches Gebiet zeitlich begrenzt werden können. Nur zum Vergleich, im Jahr 2012 hatte der Salzburger Flughafen insgesamt 17.122  Flugbewegungen. Für Düsseldorf werden im gleichen Jahr 217.219 ausgewiesen (Wikipedia).

Beispielhaft für eine solche Durchführungsverordnung ist der Flughafen in Zürich. Hier gilt seit 2003, dass das deutsche Hoheitsgebiet nahe der schweizerischen Grenze zwischen 21 Uhr und 7 Uhr an Wochentagen und zwischen 20 Uhr und 9 Uhr an Wochenenden und Feiertagen nicht in geringer Höhe überflogen werden darf. Zwar beschwerte sich die Schweiz, scheiterte damit aber im vergangenen Jahr vor dem Europäischen Gerichtshof. In Süddeutschland bleibt weiter alles wie es ist. Davon darf man im Umfeld deutscher Flughäfen weiter nur träumen. Und das, obwohl die Betroffenheit der Bevölkerung hier um noch einiges größer sein dürfte. Immerhin ist der Flughafen in Zürich 15 km von der  Grenze entfernt. Dichter besiedelte Gebiete sind in unmittelbarer Grenznähe auf deutscher Seite auch nicht zu finden. Zum Vergleich, vom Aufsetzpunkt der Düsseldorfer Südbahn bis zur Dorfstraße in Büderich sind es 6 Kilometer,  die Ortsteile Kaarst und Holzbüttgen, die mit zusammen 30000 Einwohnern komplett von der Einflugschneise durchschnitten werden, sind gerade einmal 10 Kilometer entfernt.

Ende 2012 gab es einen Versuch, auch andere deutsche Fluglärmbetroffene in den Genuss der Züricher Regelung zu bringen. Leider scheiterte eine Petition zur Gleichbehandlung von Bürgern bei Fluglärm kläglich. Die Beteiligung war viel zu gering. Ein krasses Beispiel, wie schlecht organisiert die Betroffenen hier sind. Sollte sich das nicht ändern, sieht es auch künftig schlecht aus für Feierabend und Nachtruhe. Denn fern der Heimat in Berlin sagte Ramsauer unlängst vor Vertretern der  Luftfahrtbranche: "Deutschland braucht Flughäfen, auf denen ein 24-Stunden-Betrieb möglich ist". 

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1 Kommentar:

  1. Von Nachtruhe im Bereich des Düsseldorfer Flughafens kann wohl nicht die Rede sein bzw. ist das wohl ein Witz. Der Flughafen hat 9 (neun) Fluglinien das "Heimrecht" erteilt (home base carrier), die dann ohne Probleme nach 22.00 Uhr abends landen dürfen, was sich besonders unangenehm in den Urlaubszeiten bemerkbar macht. Die Stunde zwischen 22.00 und 23.00 Uhr (und auch noch später) kann man durchaus als Spitzenzeit bezeichnen! Der Flughafen profitiert zusätzlich durch höhere Landegebühren für diese "verspäteten" Ankünfte.
    Der Flughafen bzw. die Stadt Düsseldorf verschleiern und verharmlosen diese Tatsache und betreiben aggressiv eine weitere Kapazitätserweiterung auf Kosten von Gesundheit und Lebensqualität der Bewohner der umliegenden Städte und Gemeinden!

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