Dienstag, 25. Februar 2014

05/23 - Betriebsrichtungen und Lärmverteilung im Düsseldorfer Umland

Gestartet und gelandet wird möglichst immer gegen den Wind. Deshalb können die beiden Bahnen des Düsseldorfer Flughafens in beide Richtungen benutzt werden. Je nach Wetter entscheidet die Flugsicherung, in welcher Richtung geflogen wird. Wegen der Ausrichtung der Bahnen von Nordosten (050 Grad) nach Südwesten (230 Grad) ist dies entweder die Betriebsrichtung 05 oder die Betriebsrichtung 23.  Der rote Flieger unten im Bild ist im Landeanflug in Richtung 230 Grad, also BR 23.
Während des dargestellten Anfluges weht also wahrscheinlich ein Wind aus  der unteren, südwestlichen Hälfte der Windrose. Bei diesen Bedingungen wird über Kaarst gestartet und der Landeanflug erfolgt über Essen.

Weht dagegen der Wind aus irgendeiner Richtung des oberen, nordöstlichen Sektors der Windrose, wird über Kaarst gelandet und über Kettwig gestartet (Betriebsrichtung 05). 

Fassen wir noch einmal zusammen: Bei Betriebsrichtung 05 bewegt sich um unseren Flughafen alles in Richtung Nordost, bei Betriebsrichtung 23 alles in Richtung Südwest.

Das Verhältnis der Winde aus dem Süd-Westsektor und dem Nord-Ostsektor betrug im 10-Jahreszeitraum 2001-2010 nach den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes am Flughafen Düsseldorf 65%:35%. Ein großer Teil davon entfällt auf geringe Windgeschwindigkeiten. Weht kein Wind oder ein sehr schwacher Wind, soll nach den Richtlinien der Flugsicherung immer BR 23 gewählt werden. So lag die tatsächliche Verteilung der Betriebsrichtungen in dem genannten 10-Jahreszeitraum nach statistischen Angaben des Flughafens bei rund 74%:26%. Von der Wahl der Betriebsrichtung hängt entscheidend ab, welche Gebiete im Umland jeweils  besonders vom Lärm betroffen sind.

Wie genau ist nun die Situation in Kaarst? Betrachten wir zunächst die Betriebsrichtung 05. Der gesamte Landeanflug wird über Kaarst abgewickelt. Das bedeutet, das bis zu 390 Maschinen die Ortsteile Driesch, Holzbüttgen und Kaarst und  mit einer Höhe zwischen 500 und 700 Metern überfliegen.

Map Data OpenStreetMap Copyright DFS, Deutsche Flugsicherung GmbH

Meistens herrscht zu dieser Zeit Hochdruckwetter, also kalte und klare Wintertage oder schönes Sommerwetter. Solche Wetterlagen können mehrere Wochen lang anhalten. Deutlich kann man erkennen, dass sich der gesamte Verkehr sich über Mönchengladbach sammelt und auf den Leitstrahlen der beiden Bahnen konzentriert. Der Kaarster Westen, Büttgen und Vorst liegen außerhalb des lautesten Bereiches. Besonders stark betroffen ist der Abend, der späte Abend und die beginnende Nacht, wenn zwischen 22 und 23 Uhr im Dauerbetrieb gelandet wird. Landende Flugzeuge sind zwar prinzipiell leiser als startende Flugzeuge. Weil sie aber bei gleichem Abstand zur Piste viel niedriger fliegen, ist das Geräusch am Boden sehr viel lauter, bestreicht aber einen schmaleren Korridor.  

Bei Betriebsrichtung 23 wird über Kaarst gestartet. Bei der Festlegung der Flugrouten für den Start kann sehr viel flexibler verfahren werden als beim Anflug. Die Festlegung dieser Routen erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wirtschaftlichkeit hat dabei eine höhere Priorität als  Lärmschutz.
Map Data OpenStreetMap Copyright DFS, Deutsche Flugsicherung GmbH
Rechts oben im Bild erkennt man, dass der erste Teil der Flieger bereits vor Meerbusch Richtung Norden abdreht.

Der Rest teilt sich vor dem Kaarster Autobahnkreuz in einen Nord- und einen Südast. Gut zu erkennen ist auch die Spur eines einzelnen Flugzeugs, das sich nicht an den Korridor hält. Vom Lärm dieser Flieger sind vor allem der Norden und der Osten betroffen. Weil sie in der Regel in Kaarst schon 1500 Meter Höhe erreicht haben, sind sie hier leiser als die Lander. Zudem verteilen sich die bis zu 390 Flieger auf drei Flugrouten. Dafür ist dieser Lärm überall im Stadtgebiet  präsent.



Freitag, 21. Februar 2014

Kaarster Fluglärmdebatte

Im Internet findet man alles. Auch jede Menge Leute, die gegen Fluglärmgegner sind, zum Beispiel hier. Eigentlich möchte man so etwas gar nicht verlinken, aber man sollte sich ruhig auch mit den Evergreens ihrer Argumentation beschäftigen. Dafür ist der Text eine wahre Fundgrube (zitiert wird sinngemäß):
"Die Leute ziehen in die Nachbarschaft des Flughafens und dann fangen sie an, sich über den Lärm zu beschweren."
Also es geht aktuell in Kaarst gar nicht um den Lärm der schon da ist, (schade, eigentlich) sondern um den der dazu kommen soll. Ab wieviel mehr Lärm darf man sich beschweren? Schon bei ein bisschen mehr oder erst bei viel mehr? Eigentlich dann auch nicht, nicht wahr? Eigentlich darf man sich überhaupt nicht beschweren, darum geht es. Schnauze halten, weil man hält ja schließlich selbst auch die Schnauze.
"Wo ist die Petition gegen die, die den Fortschritt verhindern?"
Was sollte bitte der Text dieser Petition sein? Vielleicht so: August Johann wird untersagt, durch seinen eigennützigen Protest das Allgemeinwohl zu gefährden! Also eigentlich auch nur: August, halt die Schnauze!

"Über den Fluglärm meckern, aber selbst die Flieger benutzen - erbärmlich!"
Könnte man  Fluglärm auf alle verteilen, die die Flieger benutzen, wäre alles prima. Den Anteil könnte jeder gut aushalten. Aber wir sind leider nur ein paar Nasen, die für alle den Kopf hinhalten. Und uns reicht es jetzt. Mehr zu dem Thema hier.
"Ich kann mit dem Fluglärm leben, das sollen andere auch."
Also, wer genau wieviel Fluglärm abbekommt, das ist schon sehr unterschiedlich. Auch innerhalb der Ortsteile Kaarst und Holzbüttgen gibt es große Unterschiede. Außerdem:wer abends nicht gern im Garten sitzt oder auf dem Balkon, dem entgeht schon viel vom Getöse. Das ist ja auch in Ordnung, aber sollte man deshalb dem Nachbarn nicht gönnen, das er im Garten sitzen möchte? Kann man überhaupt mit Recht anderen vorschreiben wollen, was und wie viel sie aushalten müssen?
"Wenn es mir nicht passt, dann muss ich halt wegziehen."
Ich weiß nicht, ob das einer menschenfreundlichen Grundhaltung entspricht. Warum soll ich wegziehen, wenn der Flughafen mehr fliegen lassen will? Aber lassen wir das mal gelten.  Dann bleibt immerhin die Frage wer das denn bezahlt? 5% Grunderwerbsteuer, 3,57% Makler, Notar, Besichtigungen, Umstände, Umzug, Renovierung? Da kommt schon was zusammen. Zahlen das die Fluggäste mit ihren am liebsten 9,90 Euro nach Mallorca? Der Flughafen? Die Allgemeinheit, die die Erweiterung für wichtig hält? Nee, das soll der August alleine zahlen. 

Ach, und dann war da noch der ganz sachliche Kritiker mit nüchternem Faktencheck:

"Die Kaarster Meßstation zeigt doch, dass dort im Mittel nicht mehr Lärm ist, als in einer ruhigen Wohnlage."

Bingo. Die Station steht in der Einflugschneise bei Betriebsrichtung 05. Und wenn Betriebsrichtung 23 geflogen wird, wie in diesem ungewöhnlichen Winter seit einigen Wochen, dann ist es da einiges ruhiger, fast wie in einem richtigen Wohngebiet. Dieser Lärm ist zur Zeit in Kettwig. Im Kaarster Norden, wo bei 23 die Starter dröhnen, sieht es schon wieder ganz anders aus. Ich werde das ganze Lärmkarussell demnächst hier einmal ausführlich erklären.