Freitag, 21. Februar 2014

Kaarster Fluglärmdebatte

Im Internet findet man alles. Auch jede Menge Leute, die gegen Fluglärmgegner sind, zum Beispiel hier. Eigentlich möchte man so etwas gar nicht verlinken, aber man sollte sich ruhig auch mit den Evergreens ihrer Argumentation beschäftigen. Dafür ist der Text eine wahre Fundgrube (zitiert wird sinngemäß):
"Die Leute ziehen in die Nachbarschaft des Flughafens und dann fangen sie an, sich über den Lärm zu beschweren."
Also es geht aktuell in Kaarst gar nicht um den Lärm der schon da ist, (schade, eigentlich) sondern um den der dazu kommen soll. Ab wieviel mehr Lärm darf man sich beschweren? Schon bei ein bisschen mehr oder erst bei viel mehr? Eigentlich dann auch nicht, nicht wahr? Eigentlich darf man sich überhaupt nicht beschweren, darum geht es. Schnauze halten, weil man hält ja schließlich selbst auch die Schnauze.
"Wo ist die Petition gegen die, die den Fortschritt verhindern?"
Was sollte bitte der Text dieser Petition sein? Vielleicht so: August Johann wird untersagt, durch seinen eigennützigen Protest das Allgemeinwohl zu gefährden! Also eigentlich auch nur: August, halt die Schnauze!

"Über den Fluglärm meckern, aber selbst die Flieger benutzen - erbärmlich!"
Könnte man  Fluglärm auf alle verteilen, die die Flieger benutzen, wäre alles prima. Den Anteil könnte jeder gut aushalten. Aber wir sind leider nur ein paar Nasen, die für alle den Kopf hinhalten. Und uns reicht es jetzt. Mehr zu dem Thema hier.
"Ich kann mit dem Fluglärm leben, das sollen andere auch."
Also, wer genau wieviel Fluglärm abbekommt, das ist schon sehr unterschiedlich. Auch innerhalb der Ortsteile Kaarst und Holzbüttgen gibt es große Unterschiede. Außerdem:wer abends nicht gern im Garten sitzt oder auf dem Balkon, dem entgeht schon viel vom Getöse. Das ist ja auch in Ordnung, aber sollte man deshalb dem Nachbarn nicht gönnen, das er im Garten sitzen möchte? Kann man überhaupt mit Recht anderen vorschreiben wollen, was und wie viel sie aushalten müssen?
"Wenn es mir nicht passt, dann muss ich halt wegziehen."
Ich weiß nicht, ob das einer menschenfreundlichen Grundhaltung entspricht. Warum soll ich wegziehen, wenn der Flughafen mehr fliegen lassen will? Aber lassen wir das mal gelten.  Dann bleibt immerhin die Frage wer das denn bezahlt? 5% Grunderwerbsteuer, 3,57% Makler, Notar, Besichtigungen, Umstände, Umzug, Renovierung? Da kommt schon was zusammen. Zahlen das die Fluggäste mit ihren am liebsten 9,90 Euro nach Mallorca? Der Flughafen? Die Allgemeinheit, die die Erweiterung für wichtig hält? Nee, das soll der August alleine zahlen. 

Ach, und dann war da noch der ganz sachliche Kritiker mit nüchternem Faktencheck:

"Die Kaarster Meßstation zeigt doch, dass dort im Mittel nicht mehr Lärm ist, als in einer ruhigen Wohnlage."

Bingo. Die Station steht in der Einflugschneise bei Betriebsrichtung 05. Und wenn Betriebsrichtung 23 geflogen wird, wie in diesem ungewöhnlichen Winter seit einigen Wochen, dann ist es da einiges ruhiger, fast wie in einem richtigen Wohngebiet. Dieser Lärm ist zur Zeit in Kettwig. Im Kaarster Norden, wo bei 23 die Starter dröhnen, sieht es schon wieder ganz anders aus. Ich werde das ganze Lärmkarussell demnächst hier einmal ausführlich erklären.

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