Mittwoch, 11. März 2015

23. Mai 2015 - Fünfzig Jahre Angerlandvergleich

Der Angerlandvergleich - viel zitiert und wenig gelesen - war ein weitsichtiger Versuch unserer Väter und Großväter, Mütter und Großmütter das schon damals absehbare, umgebungsschädigende Wachstum des Düsseldorfer Airports einzudämmen. Heute, gefühlte 50 Flughafenerweiterungen und mehrere Rundumerneuerungen später, mag man das für naiv halten, aber das wäre unfair. Unsere Vorfahren haben damals getan, was sie konnten. Aber in den nahezu 50 Jahren, die seit dem 23. Mai 1965 vergangen sind, hat sich die nachfolgende Generation und manche Kommune auf diesem Vergleich ausgeruht. Man hat sich darauf verlassen, dass es rund um Düsseldorf so schlimm schon nicht werden würde. Es gab ja diesen Angerlandvergleich mit seinen Nachtflug- und Ausbaubeschränkungen. Viel zu wenige haben gegen die einseitige Interpretation und die fortgesetzte Aushöhlung der Vereinbarung durch die Flughafenbetreiber gekämpft. Das Ergebnis ist, dass der Organisationsgrad der Betroffenen und der Schutz der Bevölkerung rund um Düsseldorf heute teilweise viel schlechter ist als in Frankfurt, München oder Köln.

Das muss sich dringend ändern. Der jetzt gestellte Antrag des Flughafens bietet dazu eine gute, neue Chance. Mit geltenden Betriebsgenehmingung aus dem Jahr 2005 sind die Grenzen des Zumutbaren weit überschritten worden. Die Genehmigung definiert den späten Abend zwischen 21.00 und 22.00 Uhr grundsätzlich als "Spitzenzeit am Tage". Bis 23.00 Uhr wurden zusätzliche Nachtlandungen genehmigt, mehr als für irgend eine andere Stunde des Tages vorgesehen sind. Bis 24.00 Uhr gibt es keine wirksame Reglementierung der Landungen. Diese, nach heutigem Stand (BVG Leipzig, 2012)  rechtswidrige Genehmigung gilt es, im Zuge einer Neuregelung zu kippen. Der aktuelle Antrag zielt darauf, dass bei unveränderter technischer Kapazität nocheinmal 30% mehr Flüge geplant werden dürfen. Wohin soll das führen, wenn nicht weiter in die Nachtstunden? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: sämtliche Nachtflüge müssen gestrichen und der späte Abend muss entlastet werden.

Wir sollten die Aussagen der Flughafenbetreiber an ihren Taten der vergangenen fünfzig Jahre messen. Der Angerlandvergleich bietet dazu interessante Diskussionsansätze. So kann man dort lesen:

"Die beigeladene DFG erklärt, daß sie die den Flughafen Düsseldorf anfliegenden Flugzeughalter auch in Zukunft anhalten wird, jeden technischen nicht notwendigen Lärm zu vermeiden. Sie verpflichtet sich darüber hinaus, zum Schutze der Bevölkerung des Umlandes vor Lärm alle nach dem jeweiligen Stand der Technik entwickelten Lärmschutzvorrichtungen zu errichten."

Was heißt Bevölkerung des Umlandes? Wir haben es den Flughafenbetreibern überlassen, den Begriff zu definieren. Mit Überflughöhen unter 600m gehört Kaarst nach deren Auslegung schon nicht mehr dazu. Kein Cent für Lärmschutz nach irgendeinem Stand der Technik wurde in den vergangenen fünfzig Jahren hier investiert. Und das bei Spitzenpegeln um die 80 dB (Rasenmäher), mitten in der Nacht, und über 30.000 anfliegenden und  70.000 abfliegenden Maschinen pro Jahr.

Bei welcher Gelegenheit und in welcher Form hat die DFG in den vergangenen fünfzig Jahren die Flugzeughalter angehalten, jeden technisch nicht notwendigen Lärm zu vermeiden? Die gängige Praxis des Landeanflugs mit minimalen Abständen und möglichst hoher Dichte führt täglich zu technisch nicht notwendigem Lärm. Die Einsparung von Treibstoff beim Start führt zu technisch nicht notwendigem Lärm. Wo ist definiert, was das ist? Welche konkreten Maßnahmen gegen technisch nicht notwendigen Lärm hat die DFG von den Flugzeughaltern gefordert? Wie hat sie überwacht, dass sich die Gesellschaften und die Piloten auch daran halten? Welche Sanktionen wurden in diesem Zusammenhang verhängt?

Wir sind sehr neugierig auf Antworten zu solchen Fragen, wenn sie denn aktenkundig belegt sind. Fragen Sie die Damen und Herren vom Nachbarschaftsdialog!





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