Mittwoch, 22. April 2015

Weniger Staus durch mehr Verkehr?

Die Verantwortlichen im Düsseldorfer Flughafen versprechen in der  Fluglärmkommission (Berichterstattung der RP), dass Sie Verspätungen schneller abbauen können, wenn sie erst eine Betriebserweiterung durchgesetzt haben. Sie wollen ein Drittel mehr Flüge pro Stunde planen und die Ersatzbahn jederzeit zusätzlich nutzen,  sobald Ihnen das erforderlich scheint. Mit der gleichen Versprechung hatten sie bereits im Jahr 2005 eine Betriebserweiterung beantragt. In der geltenden Genehmigung heisst es deshalb auf Seite 8:

"6.3 Die Parallelstart- und -landebahn 05L/23R ist in der Zeit von 21:00 Uhr bis
22:00 Uhr Ortszeit mitzubenutzen."


Die Erläuterung dazu wird auf Seite 91 gegeben:

"Zur Entflechtung des Luftverkehrs - insbesondere um flugbetriebliche Verzögerungen
bei Starts und Landungen zu vermeiden und um Verspätungen im Tagesumlauf
aufzufangen, die zu Ausnahmen von den Nachtflugbeschränkungen führen
können - soll in der letzten Tagesstunde die Parallelstart- und -landebahn
05L/23R mitbenutzt werden."



Das bedeutet nichts anderes, als dass bereits seit 2005 die gesamte technisch überhaupt verfügbare Kapazität der Flughafenanlage ab 21 Uhr genutzt werden muss (!) um Verspätungen abzubauen. Der Flughafen darf während dieser Stunde (insgesamt während 56 Stunden pro Woche) ohne jede behördliche Beschränkung so viele Maschinen starten und landen lassen, wie möglich. Die Betriebsgenehmigung beschränkt nur die Planung von Flugbewegungen, nicht die Abwicklung.   

Konkret: Heute dürfen für die Zeit zwischen 21.00 und 22.00 Uhr 47 Flugbewegungen geplant werden. Abgewickelt werden können, nach Angaben des Flughafens, 60. Es bliebe eine Reserve von 13 zum Abbau von Verspätungen. Aktuell gibt es trotz dieser Regelung allein nach 23.00 Uhr 1200 Verspätungen pro Jahr.

Künftig möchte der Flughafen 60 Flugbewegungen pro Stunde planen dürfen. Abgewickelt werden können angeblich genau diese 60. Die aktuell vorhandene Reservekapazität würde also vollständig genutzt und ist für den Abbau von Verspätungen nicht mehr verfügbar.

Die Versprechungen des Flughafens erscheinen vor diesem Hintergrund absolut unseriös: Weniger Stau durch mehr Verkehr.

Donnerstag, 9. April 2015

Warum neue Parkpositionen zusätzlichen Lärm bringen werden

Fragt man die Nachbarn in den Einflugschneisen, wann die meisten Flieger unterwegs sind und die Lärmbelastung besonders auffällig ist, so nennt die große Mehrheit die Zeit von 6 bis 7 und den späten Abend bis in die Nacht.

Erkundigt man sich dagegen bei den Flughafenbtreibern nach den Spitzenstunden des Betriebes, so nennen sie die die Zeiträume 7 bis 8 Uhr, 10 bis 12 Uhr, 13 bis 14 Uhr und 17 bis 20 Uhr (Seite 6).

Täuscht die Menschen Ihre Wahrnehmung oder werden von der Flughafenleitung gezielt Fehlinformationen verbreitet? Ein Blick in die Statistik, die die Initative "Bürger gegen Fluglärm"  auf Basis der täglich vom Flughafen veröffentlichten An- und Abflüge erstellt, bringt Aufklärung. Die Aussagen des Flughafens treffen  im Hinblick auf die Flugbewegungen pro Stunde weitgehend zu!

Täuscht uns also unsere Wahrnehmung, weil wir den Lärm in ruhigen Nachtstunden natürlich viel intensiver erleben als am Tage, wenn der Umgebungslärm insgesamt lauter ist? Nein, dieser Sachverhalt verschärft zwar in der Tat das Lärmerlebnis erheblich, aber wir haben tatsächlich auch die meisten Überfüge in den Stunden zwischen sechs und sieben sowie zwischen 22 und 23 Uhr!

Was wir hier erleben, ist nur ein scheinbarer Widerspruch. Der Beobachter am Boden ist zu einem bestimmten Zeitpunkt immer entweder ausschließlich von Starts oder umgekehrt ausschließlich  von Landungen betroffen. Der jahrelange schleichende Ausbau der Zahl der Parkpositionen hat es möglich gemacht, dass in den Randstunden des Betriebes in Düsseldorf nahezu ausschließlich gelandet oder gestartet wird.

Die Folge ist, dass sich  der Lärm in diesen Stunden auf der einen Seite des Bahnsystems konzentiert. Anders ausgedrückt: 40 Flugbewegungen pro Stunde erleben die Flughafenanwohner mittags in Form von zwanzig Lärmereignissen. Sie verteilen sich auf zwei Gruppen von Betroffenen. Wenn in der Nacht dann ausschließlich gelandet wird, entsprechen 40 Flugbewegungen 40 Lärmereignissen. Und dieses Inferno tobt in den Zeiten, in denen die Menschen besonders empfindlich reagieren: extreme Belastungen in den Randzeiten, Durchschittslärm über Tag.

Aus Sicht der Bevölkerung brauchen wir deshalb weniger eine Beschränkung der Flugbewegungen in Summe, als vielmehr einen Rückbau der vorhandenen Parkpositionen und die strikte Nachtruhe von zweiundzwanzig bis sechs Uhr.

Der vorliegende Antrag des Flughafens zielt nach den vorab veröffentlichten Ankündigungen auf die nachträgliche Absegnung bereits gebauter Abstellpositionen, die Genehmigung acht zusätzlicher Abstellpositionen und 13 zusätzlichlich planbare Flugbewegungen pro Stunde. Wenn, was nach Lage der Dinge sicher anzunehmen ist, diese 13 zusätzlichen Flugbewegungen morgens auschließlich für Starts und abends  ausschließlich für Landungen genutzt würden, bedeutet das eine Verdopplung der Lärmwirkung.