Freitag, 22. Mai 2015

Araber gegen Chinesen: Luftkampf über unseren Köpfen

Die Rheinische Post hat sich in Sachen Flughafen gewaltig verbessert. Noch vor anderthalb Jahren kritisierte Thorsten Breitkopf dort einseitig die Haltung des Umlandes zur Flughafenerweiterung. Das war der Startschuss für dieses Blog. Heute erscheint dort nach dem Gespräch mit dem neuen Flughafengeschäftsführer Dr. Ludger Dohm bereits das zweite, informative und journalistisch gut gemachte Interview, diesmal mit dem Air-Berlin-Chef Stefan Pichler: "Die Angst vor den Arabern ist albern". Klar und prägnant wird in beiden Gesprächen der wirtschaftliche Rahmen gezeichnet, in dem sich Luftverkehrsgesellschaften und Flughafen bewegen. Jeder Vernünftige kann verstehen, dass es im globalen Wettbewerb um Sein oder Nichtsein geht und die Lebensinteressen einer Minderheit in den Einflugschneisen aus dieser Perspektive völlig nachrangig sind. So merkwürdig das klingt, es ist wohltuend zu lesen, wie hier Klartext gesprochen wird. Kein Geschwätz über einen Nachbarschaftsdialog, den es tatsächlich nicht gibt, über Lärmschutzmillionen, die niemals den Boden erreichen oder flüsterndes Fluggerät in den Köpfen der Ingenieure, das uns eine selige Zukunft verspricht. Wo Klartext geredet wird, erkennt man schnell das eigentliche Problem: Unsere Landespolitik stiehlt sich aus der Verantwortung. Sie dient damit weder der Wirtschaft, noch den schützenswerten Interessen der Bevölkerung, schon gar nicht dem Schutz von Minderheiten. Wir alle brauchen jetzt ein verbindliches Konzept, wie es mit dem Luftverkehr in NRW weiter gehen soll, eine politische Entscheidung über die Kapazitätsverteilung.

Die geographische Lage ist ein gewaltiger wirtschaftlicher Standortvorteil des Flughafens in Düsseldorf. Schon vor Jahrzehnten war im politischen Raum aber klar, dass mit Rücksicht auf die Bevölkerungsdichte im Umland an dieser Stelle kein internationales Drehkreuz zugelassen werden durfte. Die Startbahn wurde auf 3000 m Länge und 45m Breite limitiert, vom Grundsatz her wurde die Einbahnkapazität festgeschrieben. Gleichzeitig schuf man in Köln-Bonn unter anderem mit einer 60 m breiten 4000 m langen Bahn die Voraussetzungen für den interkontinentalen Betrieb in NRW. Die seit den sechziger Jahren beschlossenen Steuerungsmaßnahmen haben aber nicht ausgereicht, um die wirtschaftlichen Lagevorteile in Düsseldorf auszugleichen. Überall auf der Welt verbannte man  Großflughäfen in die Peripherie. In NRW wurde von der Landespolitik der Entwicklung der Dinge jahrzehntelang zugeschaut. Die Durchsetzung des in den Sechzigern beschlossenen Konzeptes hätte Nachbesserungen, Anstrengungen und Mut erfordert, ebenso wie das Konzept eines neuen Großflughafens, z.B. auf der Braunkohle, wo man die Landschaft ohnehin entvölkert hatte.Alle Landesregierungen in Düsseldorf bleiben dieser Linie bis heute treu. Hinter den Kulissen redet man den Investoren offensichtlich nach dem Mund und verspricht, was gewünscht wird. Für das Publikum wird eine langwierige, sorgfältige Abwägung ins Gang gesetzt mit einer Entscheidung erst 2018, natürlich nach der Landtagswahl. Die Betroffenen können dann getrost vor die Gerichte ziehen, die neue Landesregierung wird ihre Hände wieder in Unschuld waschen:  same procedure as every time in DUS.

Die Rheinische Post bringt die Lage inzwischen auch in ihrem Kommentar ziemlich klar auf den Punkt. Danke dafür. Nur ein Klischee musste doch noch wieder bedient werden: "Erst kaufen die Leute in der Nähe das Flughafens billige Grundstücke und dann fordern sie Ruhezonen." Das ist blanker Unsinn. Erstens geht es gegenwärtig überhaupt nicht um die Forderung nach mehr Ruhe, sondern um die Forderung nach mehr Lärm. Wann kommt das endlich in den Köpfen der Öffentlichkeit an? Zweitens: Für die Ausweisung von Wohngebieten gibt es in Deutschland klare Regeln. Jeder Bürger, der dort baut, kauft oder mietet, sollte sich auf den Schutz dieser Regeln verlassen können. 

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